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31.5.2007

Print-Ausgabe


Verkehrslawine ist im Anrollen auf das Land

DÜSTERE STRASSEN-PROGNOSE / Transitverkehr und immer mehr private Autos lassen Experten ein Verkehrschaos befürchten. Nun werden Alternativen gesucht.

VON DORIS SEEBACHER UND WOLFGANG MILLENDORFER

Laut Expertenprognosen wird in den neuen EU-Staaten Polen, Tschechien, Slowakei, Rumänien und Bulgarien der Verkehr in den nächsten zehn Jahren um mehr als 50 Prozent zunehmen. „Bei dem Mengenpotential, das da lauert, kann uns nur eine Katastrophe ereilen“, prophezeit Rudolf Leeb vom ARBÖ Burgenland. Denn: „Alle wollen in die ‚gelobten Länder‘ Österreich, Deutschland oder auch in die Schweiz fahren – sei es um zu arbeiten oder um Urlaub zu machen. Und dabei müssen sie durch unsere Alpenrepublik.“ Leeb rechnet in den nächsten zehn bis zwölf Jahren mit 20 bis 23 Prozent höherem Verkehrsaufkommen im Burgenland.

Politische Debatten um düstere Prognosen
Auch auf politischer Ebene sorgten die jüngsten Prognosen für Aufregung: Angesichts der Debatten um das Baumaßnahmen-Paket von SPÖ-Infrastrukturminister Werner Faymann (siehe gegenüberliegende Seite) sprach Landesvize Franz Steindl zuletzt von noch höheren Verkehrs-Steigerungen: „Allein bis 2015 wird der Güterverkehr um 40 Prozent, der Individualverkehr um 30 Prozent zunehmen. Das ist mit unserem Straßennetz nicht bewältigbar.“ Landeshauptmann Hans Niessl hingegen kündigte weitere Projekte für den nächsten Rahmenplan an. Von nicht ganz so drastischen Zahlen geht jedenfalls Verkehrsexperte Roman Michalek von der Mobilitätszentrale Burgenland aus: „Es wird klarerweise weitere Steigerungen geben, aber sprunghaft steigt das Verkehrsaufkommen nur bei politischen Änderungen – wie etwa der EU-Erweiterung – an.“

Schwerverkehr-Bremse an der B50 hat gewirkt
Als erste wirkungsvolle Gegenmaßnahme zum verstärkten (Ost-)Transit durch das Burgenland hat das Schwerverkehr-Verbot auf der Bundesstraße B50 zwischen Eisenstadt und Parndorf laut Statistik bereits gegriffen. Seit einem Jahr gilt das Fahrverbot (ausgenommen sind der Ziel- und Quellverkehr); auch die Anrainer der B50-Gemeinden meinen heute: „Der LKW-Verkehr ist spürbar weniger geworden.“ Voraussetzung dafür ist aber, dass die Polizei regelmäßige Kontrollen durchführt.

Private KFZ-Anmeldungen sind stark angestiegen
Die „rollende Gefahr“ kommt aber nicht nur von außen, ein beachtlicher Teil des Verkehrsaufkommens ist hausgemacht. Neben dem stetig wachsenden Ziel- und Quellverkehr der Wirtschaft sind es vor allem auch die privaten KFZ-Anmeldungen, die im Burgenland von Jahr zu Jahr ansteigen: Waren es im Jahr 1950 noch 5209 angemeldete PKWs, LKWs und Motorräder, so gab es im Vorjahr bereits insgesamt 233.805 Anmeldungen.

Als Antwort auf diesen Trend gelten vor allem die Maßnahmen für eine optimalere Nutzung des öffentlichen Verkehrs – etwa nach dem Motto „weg vom Zweitauto, hinein in den Bus“. Mit Gemeindebus- und Shuttle-Projekten will zum Beispiel die Mobilitätszentrale eine Alternative zum PKW anbieten. Und als nächstes widmen sich landesweite Projekte den burgenländischen Pendlern: Einer aktuellen ARBÖ-Untersuchung zufolge könnten bessere öffentliche Verkehrsverbindungen in den nördlichen „Pendlerzentren“ sogar um bis zu 35.000 Autos von der Straße bringen.

STRASSENBAU-VORHABEN

  • S31 Knoten Wulkaprodersdorf-Knoten Mattersburg: im Bau
    Freigabe: Ende Juni
    Kosten: 9,5 Millionen Euro

  • A6 Nordost-Autobahn Spange Kittsee-Staatsgrenze: im Bau
    geplante Freigabe: November 2007
    Kosten: 154 Millionen Euro

  • A4 Ost-Autobahn: Erweiterung der Anschlussstelle Neusiedl:
    geplanter Baubeginn: 2008
    Kosten: 7,5 Millionen Euro
    Status: Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) läuft

  • S7 Riegersdorf-Dobersdorf Nord: geplanter Baubeginn 2010
    geplante Freigabe: 2014
    Kosten: 393 Millionen Euro
    Status: UVP-Verfahren ab 2008

  • S7 Dobersdorf Nord-Heiligenkreuz: geplanter Baubeginn 2012
    geplante Freigabe: 2016
    Kosten: 107 Millionen Euro
    Status: Überarbeitung läuft; Festlegung je nach erwartetem Verkehrsaufkommen und Ausbaustand in Ungarn; UVP-Verfahren ab 2009

  • S31 Oberpullendorf-B61:
    geplanter Baubeginn: 2012
    geplante Freigabe: 2013
    Kosten: 20 Millionen Euro
    Status: Adaptierung nach Bau-Verzögerungen im ungarischen Bauabschnitt; Behördenverfahren folgen

  • S31 Schützen-Eisenstadt:
    geplanter Baubeginn: 2012
    geplante Freigabe: 2014
    Kosten: 45 Millionen Euro
    Status: Behördenverfahren laufen

  • A3 Knoten Eisenstadt-Klingenbach: geplanter Baubeginn 2013
    geplante Freigabe: 2016
    Kosten: 120 Millionen Euro
    Status: Trassen-Optimierung; Behördenverfahren noch ausständig

    ÖBB-RAHMENPLAN
  • Wulkaprodersdorf-Eisenstadt-Neusiedl: Elektrifizierung und Streckenadaptierung – im Bau
    geplante Inbetriebnahme: 2009
    Kosten: 33,2 Millionen Euro

  • Deutschkreutz-Neckenmarkt-Horitschon: Elektrifizierung und erforderliche Streckenadaptierung
    geplanter Baubeginn: 2008
    geplante Inbetriebnahme: 2009
    Kosten: 4,1 Millionen Euro

  • Müllendorf-Eisenstadt: Errichtung der Bahn-Schleife
    geplanter Baubeginn: 2008
    geplante Inbetriebnahme: 2010
    Kosten: 17,6 Millionen Euro

  • Wiener Neustadt-Loipersbach-Schattendorf: Elektrifizierung; Projekt außerhalb der Rahmenperiode (2007 bis 2012)
    INVESTITIONEN
    Die Gesamtkosten für sämtliche Projekte im Burgenland (mit Baubeginn bis 2012) belaufen sich auf 783,8 Millionen Euro – davon:
    Schiene: 54,9 Millionen Euro
    Straße: 728,9 Millionen Euro

    Die Investitionen in den anderen Bundesländern (in Millionen Euro):
    Niederösterreich: 9581,6
    Wien: 5108,5
    Steiermark: 3826
    Kärnten: 3403,5
    Tirol: 2660,5
    Oberösterreich: 2472,3
    Salzburg: 1144
    Vorarlberg: 688,1




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     klarstellung
    von horst.t - 31.05.2007 10:17

    „Es wird klarerweise weitere Steigerungen geben, aber sprunghaft steigt das Verkehrsaufkommen nur bei politischen Änderungen – wie etwa der EU-Erweiterung – an.“

    eine kleine ergänzung dazu:
    die eu-osterweiterung hat zu keinem sprunghaften Verkehrssteigerung geführt sondern nur zu verlagerungen des verkehrsaufkommen an den grenzübergängen.

    während der früher mit langen verzögerungszeiten verbundene grenzübregang nickelsdorf vom schwerverkehr gemieden wurde und die anderen grenzübergänge als ausweichrouten gewählt wurden, ist der verkehr seit den gelockerten kontrollen durch die eu-odterweiterung in nickelsdorf masssiv angestiegen an den anderen grenzübergängen hat man aber auch massive rückgänge verzeichnet. so ist der schwerverkehr in rattersdorf bzw. deutschkreutz zeitweise um bis zu 50-60 % zurückgegangen.

    einen wirklich sprunghaften verkehrsanstieg aus dem osten gab es mit dem fall des eisernen vorhangs ende der 80er, anfang der 90er jahre, als die ungarn hinsichtlich konsum einen massiven nachholbedarf hatten, sie sich etwas leisten konnten und sich nicht sicher waren ob die liberalisierung von dauer ist. die damaligen verkehrsstärken wurden an den meisten ungarischen grenzübergängen seither nicht mehr erreicht, und dies ist jetzt bereits über 15 jahre her.

    verkehr steigt also auch bei politischen änderungen wie der eu-osterweiterung nicht sprunghaft, sondern nur bei politischen umbrüchen, die aber in nächster zeit in europa nicht mehr zu erwarten sind.

    ein großteil der verkehrssteigerungen im burgenland ist aufgrund der ausdünnung der regionalen wertschöpfung, der raumplanung und infrastruktur hausgemacht. leider!

    die massiven verkehrssteigerungen in den neuen eu-staaten werden auch nicht in österreich stattfinden sondern innerstaatlich! man soll also nicht horrorzahlen aus anderen staaten auf österreich umlegen.

     von horst.t - 31.05.2007 10:30

    auch die kostenaufstellung ist mehr als eigenartig:

    Die Investitionen in den anderen Bundesländern (in Millionen Euro):
    Niederösterreich: 9581,6
    Wien: 5108,5
    Steiermark: 3826
    Kärnten: 3403,5
    Tirol: 2660,5
    Oberösterreich: 2472,3
    Salzburg: 1144
    Vorarlberg: 688,1
    Burgenland: 783,8        
                  
    Summe: 29668,3     

    die summen der bundesländer aufsummiert ergibt fast 30 mrd. euro.

    in den offiziellen stellungnahmen sind es immer nur rund 10 mrd. euro, mit einem leichten übergewicht dür die bahn.

    hat man hier grenzüberschreitende projekte beiden bundesländern zugerechnet, um darzustellen wieviel man nicht für sein bundesland herausverhandelt hat?

    auch die kosten der s7 von riegersdorf bis dobersdorf sind in der burgenlandsumme enthalten, obwohl ein großer teil davon eigentlich in der steiermark liegt.

    hier betreibt jedes bundesland schönfärberei!

    trotzdem ist fraglich woher die vielen mrd. euro kommen werden? weder asfinag noch bahn noch der staat können sich die investitionen wirklich leisten. alle stehen budgetär im eck. also auch diesbezüglich nur politisches wunschdenken.



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